Feb.
23
Arno Camenisch – Hottinger Literaturgespräche


Der 25.Abend der Hottinger Gespräche – die ja seit Herbst 14 im Theater Neumarkt stattfinden – war am 23.Februar 2015 vielleicht der berührendste bis jetzt.
Arno Camenisch, der junge Bündner, der mit der Trilogie «Sez Ner»/«Hinter dem Bahnhof»/«Ustrinkata» seit 2009 Furore gemacht und den drei in einer unverwechselbaren bündnerisch‐hochdeutsch‐rätoromanisch‐italienischen Mischsprache auf ein Bündner Dorf und seine Bewohner fokussierten Büchern 2013 mit «Fred und Franz» einen Dialog folgen liess, der Beckett mit Gerhard Meier verknüpft und doch ganz eigenartig einmalig ist – dieser Arno Camenisch, den die Zeitungen bereits als «Popstar der Schweizer Literatur» apostrophiert haben, entpuppte sich als ein tiefsinniger, nachdenklicher Autor, für den der Satz «Il grond Kunst dalla veta ei la mort» von zentraler Bedeutung ist und dessen Texte aus dem Schmerz über den Verlust in der Liebe und aus der Trauer über die Endlichkeit und Vergänglichkeit geboren werden. Wobei einem Satz wie «Menschsein ermüdet» ﴾in «Fred und Franz»﴿ dann doch die unglaubliche Frische und Präsenz seiner musikalisch‐rhythmisch in einen eigenwilligen Sound getauchten Rezitation der eigenen Texte gegenübersteht, die das alle Generationen umfassende Publikum im Theater Neumarkt hellauf begeisterte.
Text: Charles Linsmayer
Eventfoto: Manfred Utzinger, utzi-foto.ch
Wenn Arno Camenisch auftritt, wird aus Lesung Performance. Beim Hottinger Literaturgespräch bewies der Bündner Autor einmal mehr, wie stark Sprache wirken kann – wenn sie lebt, klingt und schwingt.
Camenisch schreibt keine klassischen Romane. Seine Texte sind rhythmisch, fast musikalisch. Sie basieren oft auf eigenen Erlebnissen, auf Beobachtungen aus dem Alltag – vor allem aber auf der Kunst, mit Sprache zu spielen.
Bekannt wurde er mit seiner sogenannten „Bündner Trilogie“ (Sez Ner, Hinter dem Bahnhof, Ustrinkata) – eine literarische Reise durch das alpine Leben, voller Melancholie, Skurrilität und Wärme. Camenisch schreibt im Spannungsfeld zwischen Erinnerung und Gegenwart, zwischen Hochsprache, Dialekt und Rätoromanisch.
Seine Lesungen sind legendär. Auch in Hottingen zog er das Publikum mit seiner charismatischen Präsenz und seinem Tempo sofort in den Bann. Die Grenzen zwischen Lesung, Stand-up und Spoken Word verschwimmen – genau das macht ihn so einzigartig.
Doch hinter dem Witz steckt Tiefe. Camenisch erzählt von Vergänglichkeit, von Kindheit, vom dörflichen Leben – ohne Nostalgie, aber mit ehrlicher Zuneigung. Seine Bücher sind kleine Chroniken des Wandels, voll Sprachlust und feinem Humor.
Auch seine späteren Werke wie Der letzte Schnee oder Die Launen der Liebe zeigen: Camenisch bleibt sich treu – formal eigenständig, thematisch offen und stets mit dem Herz bei den Menschen.
Ein Abend mit ihm ist wie seine Bücher: direkt, emotional und mit einem Taktgefühl, das man so schnell nicht vergisst.
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