Jan.
26
Alex Capus – Hottinger Literaturgespräche


Auch der vierte Abend der 3. Hottinger Literaturgespräche – der 24. Anlass der ganzen Reihe! – war wieder ein grosser Erfolg.
Der Saal des Theaters Neumarkt war seit Wochen ausverkauft, so dass die Theaterleitung die Veranstaltung auf einen Bildschirm im Foyer übertrug, wo nochmals etwa dreissig Besucher den Abend mitverfolgten.
Alex Capus erfüllte die Erwartungen des Publikums auf überzeugende und höchst spassige Weise. Er erzählte von seinem Biotop Olten, wo er zwei Wirtschaften betreibt und fünf Söhne grosszieht, und nicht nur in den brillant gelesenen Auszügen aus seinen Romanen, auch in seinem munter‐humorvollen spontanen Erzählen gewannen Figuren wie der legendäre Pascha Munzinger, der selbst zum Schatzgräber gemachte Autor der «Schatzinsel», die drei Papenburger, die 1914 ein Schiff zum Tanganikasee transportierten oder die drei meilenweit voneinander entfernten und doch irgendwie zusammengehörenden Protagonisten von «Der Fälscher, die Spionin und der Bombenleger» genau so sprühend‐packendes Leben wie der «König von Olten», hinter dem sich – miau, miau – ein offenbar stadtbekannter schwarz‐weisser Kater verbirgt!
Text: Charles Linsmayer
Fotograf: Manfred Utzinger, utzi-foto.ch
Alex Capus ist ein Erzähler, der Geschichte und Gegenwart, Realität und Vorstellung auf elegante Weise miteinander verknüpft. Seine Romane bewegen sich oft an der Grenze zwischen Fakten und Fiktion – und gerade das macht sie so lebendig.
Beim Hottinger Literaturgespräch zeigte er sich als geerdeter, zugleich unterhaltsamer Gesprächspartner, der Einblicke in seine Schreibprozesse und Recherchen gab. Seine Themen führen ihn dabei quer durch die Weltgeschichte: Ob es um Leon und Louise, Eine Frage der Zeit oder Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer geht – Capus verbindet reale Personen und Ereignisse mit erzählerischer Fantasie zu faszinierenden Lektüren.
Ein Markenzeichen seiner Arbeit ist die gründliche Recherche. Capus besucht Orte, liest sich in Archive ein, spricht mit Zeitzeugen – und spinnt daraus literarische Welten, die nahbar und glaubwürdig wirken, ohne ihre Magie zu verlieren.
Dabei bleibt seine Sprache stets klar, humorvoll und klug – nie belehrend, immer einladend. Auch sein Auftreten in Hottingen spiegelte das wider: sympathisch, zugewandt, mit einem Augenzwinkern, aber auch mit Tiefgang.
In seinem jüngeren Werk Susanna oder in Das Buch der verbrannten Bücher wird deutlich, wie stark Capus nicht nur vom Erzählen, sondern auch vom Erinnern geprägt ist. Seine Bücher sind Erkundungen – von Menschen, Schicksalen und Möglichkeiten.
Ein Abend mit Alex Capus ist wie seine Romane: unterhaltsam, gehaltvoll – und mit der leisen Gewissheit, dass das Leben mehr Geschichten bereithält, als man denkt.
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