Schon 1963, als das literarische Engagement im Trend lag, war für Paul Nizon eines klar: „Ich möchte keinerlei Einfluss nehmen mit Geschriebenem – nicht belehren, nicht bekehren, nicht moralisieren!“ Dieser Grundsatz galt früh. Und er blieb bestehen.

Geboren in Bern als Sohn eines Russen und einer Bernerin, zog es Nizon bald nach Rom und später nach Paris – wo er bis heute lebt. Dort widmete er sich dem einzigen Thema, das er für sich als authentisch empfand: seinem eigenen Leben.

So entstand Canto, ein rauschhafter Gesang auf das Leben in Rom. So entwickelte sich Stolz, eine düstere Selbstbefragung eines Intellektuellen. Und so fand Das Jahr der Liebe – eine Annäherung an Paris und an sich selbst – seinen Ausdruck.

Auch seine Tagebuchtexte, die er als Flaneur und Beobachter verfasste, zeigen diese konsequent persönliche Haltung. Über seinen Stil schrieb Nizon einmal: „Ich nehme mir ein Klümpchen Begebenheit oder Erlebnis oder auch nur Einbildung vor und rattere es hin. Ich werfe es aus, es erstarrt zischend in der Lauge der Sprache.“

Ein einzigartiger Ton – eruptiv, klar, und ganz unverwechselbar.

Text: Charles Linsmayer

Paul Nizon – Der Schweizer Schriftsteller zwischen Paris und der Sprache

Paul Nizon zählt zu den bedeutendsten Autoren der Schweizer Nachkriegsliteratur – ein sprachmächtiger Stilist, der sich nie den gängigen Etiketten unterordnete. In Paris lebend, in Bern geboren, schreibt Nizon seit Jahrzehnten gegen das Vergessen, gegen die Sprachroutine und gegen das literarische Mittelmass an.

Bekannt wurde er vor allem durch seine autobiografisch gefärbten Romane und seine tagebuchartigen Aufzeichnungen, in denen sich Leben und Schreiben untrennbar verweben. Werke wie Das Jahr der Liebe, Stolz oder Canto zeigen einen Autor, der nicht erzählt, um zu erklären – sondern um auszudrücken.

Beim Hottinger Literaturgespräch sprach Nizon über das Schreiben als existenzielle Notwendigkeit, über Einsamkeit als kreative Kraft und über Paris als Ort der Selbstverwirklichung. Seine Sprache – mal eruptiv, mal filigran – zieht Lesende in den Bann und lässt sie das Ringen mit Identität, Kunst und Erinnerung hautnah spüren.

Ein Abend, der zeigte: Paul Nizon bleibt ein Solitär – ein literarischer Nomade mit unverwechselbarem Ton.

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