Sep.
20
Lukas Hartmann – Hottinger Literaturgespräche


Lange suchte Lukas Hartmann in seinen Werken nach Orientierung – für sich selbst und für seine Generation. Geboren in Bern, war er zunächst als Lehrer, Sozialarbeiter und Radiojournalist tätig. Später fand er seinen literarischen Ausdruck, etwa in Büchern wie Pestalozzis Berg oder Gebrochenes Eis.
Sein grosser Durchbruch gelang ihm 1992 mit dem Roman Die Seuche. Dieses Werk markierte den Auftakt zu einer achtteiligen modernen Comédie humaine, in deren Zentrum immer wieder die Stadt Bern steht. Dabei prüft Hartmann auf spannende Weise, wie Geschichte bis heute nachwirkt. So stellt er etwa in Die Seuche einen Bezug zwischen der Pest und der Aids-Epidemie her. Auch in Die Mohrin (1995), Die Tochter des Jägers (2002) und Bis ans Ende der Meere (2009) thematisiert er historische Stoffe – etwa Kolonialpolitik – und verbindet sie klug mit aktuellen Fragen.
Doch auch in seinen neueren Werken bleibt er der historischen Spurensuche treu. In Räuberleben (2012) lässt er den legendären Räuber Hannikel wieder lebendig werden. Und im Roman Abschied von Sansibar (2013) widmet er sich dem bewegenden Leben der Sultanstochter Salme bint Said – ein eindrucksvolles Porträt zwischen Kulturen, Aufbruch und Abschied.
Text: Charles Linsmayer
Lukas Hartmann zählt zu den bedeutendsten Stimmen der deutschsprachigen Literatur der Schweiz. In seinen Werken verbindet er historische Stoffe mit psychologischer Feinarbeit – und stellt dabei immer wieder unbequeme Fragen. Beim Hottinger Literaturgespräch gewährte der Autor spannende Einblicke in seine Recherchemethoden und die Entstehung seiner Romane, in denen reale Figuren zu literarischem Leben erwachen.
Ob in „Ein Bild von Lydia“, das dem Schicksal einer psychisch kranken Frau im 19. Jahrhundert nachspürt, oder in „Der Sänger“, das sich dem Leben Joseph Schmidts widmet – Hartmanns Texte zeichnen sich durch tiefes Mitgefühl und eindrucksvolle Erzählkunst aus.
Im Gespräch zeigte sich der Autor zugleich nachdenklich und pointiert. Seine Art zu erzählen, zu reflektieren und den Leser mit auf eine Reise durch Zeit und Erinnerung zu nehmen, hinterliess beim Publikum nachhaltigen Eindruck.
Seine Teilnahme an den Hottinger Literaturgesprächen war eine Bereicherung – nicht nur für Literaturfreunde, sondern für alle, die Geschichte in Geschichten entdecken möchten.
Seine Webseite findet man hier.
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