Okt.
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Adolf Muschg – Hottinger Literaturgespräche


Mit «Im Sommer des Hasen» betrat 1965 ein Autor die Schweizer Literaturszene, der sie mit Romanen wie «Gegenzauber», «Albissers Grund», «Das Licht und der Schlüssel», «Der rote Ritter» oder «Sutters Glück», aber auch mit fulminanten Erzählungen und vielbeachteten Theaterstücken entscheidend mitprägen sollte. Wobei Adolf Muschg nicht nur mit immer neuen eigenen Werken auftrat, sondern den literarischen Diskurs auch mit Vorlesungen und Publikationen wie «Literatur als Therapie» oder mit seiner Gottfried Keller-Biografie belebte.
Dieses breit gefächerte literarische Oeuvre, das gegenüber Muschgs Engagement als Schweizer Citoyen und kritischer Europäer oftmals in den Hintergrund tritt, soll das Gespräch bestimmen, das Charles Linsmayer mit ihm führen wird. So dass der Anlass zu einer literarischen Fortsetzung des politisch-gesellschaftskritischen Gesprächs werden könnte, das Thomas Zaugg im Februar 2014 mit Muschg am gleichen Ort führte.
Text: Charles Linsmayer
Fotografie: Manfred Utzinger, utzi-foto.ch
Adolf Muschg zählt zu den bekanntesten Intellektuellen der Schweiz. Als Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und öffentlicher Denker hat er über Jahrzehnte hinweg Debatten geprägt – in der Schweiz ebenso wie im internationalen Literaturbetrieb.
Beim Hottinger Literaturgespräch bot er nicht nur Einblicke in sein vielfältiges Werk, sondern auch in sein Denken, seine Haltung und seine Zweifel. In seinen Texten bewegt sich Muschg immer im Spannungsfeld von Individuum und Gesellschaft, von klassischer Bildung und moderner Krise, von persönlicher Erfahrung und politischer Verantwortung.
Früh wurde er mit dem Roman Im Sommer des Hasen bekannt, später mit Werken wie Albissers Grund oder Liebesgeschichten. Sein Zugang zur Literatur ist oft essayistisch, analytisch und zugleich poetisch – mit klarer Sprache und philosophischer Tiefe.
Auch Goethe ist für Muschg immer wieder ein Bezugspunkt – als Mensch, als Autor und als Denkmodell. In seinem Werk Goethe als Emigrant beleuchtet er dessen Bedeutung in der heutigen Welt.
Neben der Literatur engagierte sich Muschg lange auch gesellschaftlich – etwa als Präsident der Berliner Akademie der Künste oder mit pointierten Essays zu Schweizer Identität, Europa oder Bildungspolitik.
Beim Auftritt in Hottingen war er präsent, nachdenklich, gelegentlich auch provokant – aber immer mit Tiefgang. Seine Überzeugung: Literatur darf unbequem sein.
Adolf Muschg zeigt, dass Schreiben mehr sein kann als Erzählung – nämlich ein intellektueller Akt, der den Menschen herausfordert, nicht beruhigt.
Ein Abend, der nicht nur zur Lektüre, sondern auch zum Denken anregte – und damit ganz im Sinne dieses aussergewöhnlichen Autors war.
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