Hottinger Literaturgespräche – Melinda Nadj Abonji

«Die kleine Schweiz ist eine literarische Grossmacht», textete die «Zeit», als Melinda Nadj Abonjis Roman «Tauben fliegen auf» 2010 den deutschen und den Schweizer Buchpreis gewann. Wobei Nationalität so ihre Tücken hat, wuchs die Autorin doch seit 1973 am Zürichsee auf, ist aber als Angehörige der ungarischen Minderheit 1968 im jugoslawischen Becˇej zur Welt gekommen, das heute zu Serbien gehört.

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Hottinger Literaturgespräche – Lukas Hartmann

Lange suchte er in Werken wie «Pestalozzis Berg» oder «Gebrochenes Eis» nach Orientierung für sich und seine Generation, der in Bern geborene, zunächst als Lehrer, Sozialarbeiter und Radiojournalist tätige Lukas Hartmann. Der Durchbruch gelang ihm 1992 mit dem Roman «Die Seuche», der zum Anfangspunkt einer acht Bände umfassenden modernen Comédie humaine wurde, die mit Bern als

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Hottinger Literaturgespräche – Hanna Johansen

«Die stehende Uhr» hiess 1978 ihr Erstling, und es scheint, als stehe in ihren Büchern die Zeit still und werde so, quasi bei angehaltenem Atem, ein ganz eigenwilliger Blick auf das Leben und seine Abgründe möglich. In «Die Analphabetin» ist es ein kleines Mädchen, in «Lena» eine alte Frau, die staunend vor der Welt stehen. Die «Universalgeschichte der Monogamie» lässt uns Vertrautes mit neuen
Augen sehen, aber da wie auch in ihren populären Kinderbüchern ist es letztlich immer die souveräne, absolut moderne Sprache, mit der Hanna Johansen uns in ihren Bann zieht.

Text: Charles Linsmayer
Foto: Manfred Utzinger

 

Hottinger Literaturgespräche – Zoe Jenny

Das von der Kritik bejubelte, in 27 Sprachen übersetzte todtraurige Kindheitsbuch «Das Blütenstaubzimmer» von 1997 löste Erwartungen aus, die von der damals 23-jährigen, über Nacht zum «Superstar» avancierten Zoë Jenny unmöglich erfüllt werden konnten. Sie geriet ins «Daumenkino des Erfolgs», und was sie aus einer turbulenten Existenz heraus weiter publizierte, verriet zumindest ein Talent, mit
dem eines Tages wieder zu rechnen sein würde. Vielleicht war all das ja nur ein Umweg und setzt der Erzählband, an dem sie zur Zeit arbeitet, wieder da an, wo ihr Erfolg 1997 begann.

Text: Charles Linsmayer

 

Hottinger Literaturgespräche – Lukas Bärfuss

Die sexuelle Revolution der Achtundsechziger («Die sexuellen Neurosen unserer Eltern»), das Desinteresse an der Schweizer Vergangenheit («Zwanzigtausend Seiten »), die Hintergründe der Sterbehilfe («Alices Reise in die Schweiz»), der Völkermord in Ruanda und die Fragwürdigkeit von Entwicklungshilfe («Hundert Tage») – kein Thema ist tabu, wenn der aus Thun stammende, in Zürich-Hottingen lebende Dramatiker und Erzähler Lukas Bärfuss es aufgreift und dank seiner überragenden dramaturgischen und sprachlichen Begabung weit über die Schweiz hinaus zur Diskussion stellt.

Text: Charles Linsmayer

Hottinger Literaturgespräche – Peter Stamm

Er war Buchhalter, holte die Matura nach, studierte Anglistik und Psychologie, bevor er das Schreiben ganz ins Zentrum seines Lebens stellte und mit dem New Yorker Liebesroman «Agnes» 1998 ein vielbeachtetes Debüt feierte. Seither steht der Name Peter Stamm auf der Bühne, im Hörspielstudio und insbesondere auf dem Umschlag von Romanen und Erzählungen für eine Schreib- und Gestaltungsweise, die vollkommen unprätentiös und scheinbar kunstlos daherkommt, unsere Gegenwart aber dank ihrer Präzision und Unbestechlichkeit so darstellt, dass sie sich immer wieder selber entlarvt.

Text: Charles Linsmayer

 

 

Hottinger Literaturgespräche – Urs Widmer

«Es stört mich weniger als früher, wenn man mich einen Humoristen nennt. Ich weiss schon, wie sehr viel anderes da drin ist, und in der Tat, wenn ich meine Geschichten nicht immer erneut erfinden würde, würde ich wahrscheinlich ex- oder implodieren.» Was Urs Widmer 2006 in einem Interview gesagt hat, wirft ein helles Schlaglicht auf das Werk dieses Autors, der, begnadeter Satiriker in jedem Bereich,

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Hottinger Literaturgespräche – Peter Bichsel

In Luzern geboren, in Olten aufgewachsen und seit Jahren in der Region Solothurn beheimatet, hat Peter Bichsel Bücher veröffentlicht, die zum Kanon der Literatur gehören: «Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen», «Kindergeschichten», «Cherubin Hammer und Cherubin Hammer». Aber das, womit er sich weit über die Schweiz hinaus ins Bewusstsein der Zeitgenossen geschrieben hat,

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Hottinger Literaturgespräche – Eveline Hasler

Wenn der Himmel den Engel Eleusius auf Erdenurlaub schickt, soll er da «die grossen Menschheitsfragen» in Erinnerung rufen: «woher sie kommen, wohin sie gehen, wozu sie auf Erden sind.» Eveline Haslers «Engel im zweiten Lehrjahr» ist da und dort etwas belächelt worden. Letztlich aber sind es genau diese Fragen, denen sie seit je her schreibend nachgegangen ist.

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