«Die stehende Uhr» hiess 1978 ihr Erstling, und es scheint, als stehe in ihren Büchern die Zeit still und werde so, quasi bei angehaltenem Atem, ein ganz eigenwilliger Blick auf das Leben und seine Abgründe möglich. In «Die Analphabetin» ist es ein kleines Mädchen, in «Lena» eine alte Frau, die staunend vor der Welt stehen. Die «Universalgeschichte der Monogamie» lässt uns Vertrautes mit neuen
Augen sehen, aber da wie auch in ihren populären Kinderbüchern ist es letztlich immer die souveräne, absolut moderne Sprache, mit der Hanna Johansen uns in ihren Bann zieht.

Text: Charles Linsmayer
Foto: Manfred Utzinger

Hanna Johansen bei den Hottinger Literaturgesprächen – Worte, die bleiben

Im Rahmen der Hottinger Literaturgespräche war auch Hanna Johansen zu Gast – eine der grossen Stimmen der Schweizer Literatur. Ihre Sprache: fein, präzise und dabei voller innerer Bewegung. Ihre Geschichten entfalten oft erst im Nachklang ihre volle Wirkung – wie ein Echo, das noch lange nachhallt.

An jenem Abend las sie Passagen, die zum Denken anregen, aber auch zum Staunen. Über Sprache. Über Beziehungen. Über das, was zwischen den Zeilen steht. Die Stimmung im Saal war ruhig, fast andächtig – man spürte: Hier spricht jemand, der zuhören kann, und dadurch umso stärker spricht.

Als Fotograf war es mir eine besondere Freude, diese Atmosphäre einzufangen – zurückhaltend, aber voller Präsenz. Die Bilder halten fest, was Worte nur streifen können: den Moment.

Hanna Johansen, geboren 1939 in Bremen und später in der Schweiz wohnhaft, war eine vielfach ausgezeichnete Autorin von Romanen, Essays und Kinderbüchern. Ihre Werke zeichnen sich durch klare Sprache, psychologischen Feinsinn und eine tiefe Menschlichkeit aus. Sie war nicht nur eine scharfsinnige Erzählerin, sondern auch eine Denkerin mit leiser Stimme – eine Stimme, die bis heute nachwirkt.

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