Wenn der Himmel den Engel Eleusius auf Erdenurlaub schickt, soll er da «die grossen Menschheitsfragen» in Erinnerung rufen: «woher sie kommen, wohin sie gehen, wozu sie auf Erden sind.» Eveline Haslers «Engel im zweiten Lehrjahr» ist da und dort etwas belächelt worden. Letztlich aber sind es genau diese Fragen, denen sie seit je her schreibend nachgegangen ist. Darum hat sie keine literarischen Figuren erfunden, sondern mit ihrem Spürsinn, ihrer Imaginationskraft und ihrem erzählerischen Können Schicksale von ungewöhnlichen, als rebellisch oder ketzerisch verschrieenen Menschen nachgezeichnet. So fanden die als Hexe verbrannte Anna Göldi, die erste Schweizer Juristin Emily Kempin-Spyri, die Luzerner Hexenkinder, der um seinen Ruhm gebrachte Henry Dunant, Aline Valangin, Julie Bondeli, Regina Ullmann und zuletzt auch die ebenso frivole wie fromme Emmy Ball-Hennings in ihr eine Darstellerin und Gestalterin, die das Wesentliche ihrer Existenz und ihres Schicksals auf ebenso glaubwürdige wie berührende Weise zum Ereignis zu machen versteht.

Text: Charles Linsmayer

 

Die Hottinger Literaturgespräche in Zürich präsentierten diesmal Eveline Hasler, eine der bedeutendsten Schweizer Autorinnen. Geboren 1933 in Glarus, studierte sie Psychologie und Geschichte in Freiburg und Paris. Bekannt wurde sie mit ihrem vielbeachteten Roman Anna Göldin – Letzte Hexe, der auf dem letzten europäischen Hexenprozess basiert und international für starke Reaktionen sorgte.

Hasler schreibt sowohl für Erwachsene als auch für Kinder und greift dabei historische Themen auf. Ihre Bücher beleuchten oft vergessene Figuren – von Emily Kempin‑Spyri, der ersten Schweizer Juristin, bis zu Emigranten im Tessin während der NS-Zeit. 
Auch ihre Romane Aline und die Erfindung der Liebe sowie Die Wachsflügelfrau verbinden sorgfältige Recherche mit psychologischer Tiefe. 

Beim Gespräch erzählte sie aus ihrem reichen literarischen Alltag. Es entstand eine lebhafte Atmosphäre, in der historische Fakten und persönliche Eindrücke verschmolzen. Ihre klare Stimme und ihr feines Gespür für vergangene Zeiten haben das Publikum nachhaltig beeindruckt. Wer sich für Schweizer Gegenwartsliteratur, historisch-recherchierte Romane oder Literaturveranstaltungen in Zürich interessiert, sollte Eveline Hasler keinesfalls verpassen. Wikipedia.

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