Feb.
28
Helen Meier – Hottinger Literaturgespräche


Was für eine Überraschung, als die 55-jährige Appenzeller Sonderschullehrerin 1984 mit einem Text über eine lernbehinderte Schülerin den Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb gewann! Bald zeigte sich aber, dass das kein Zufall, sondern der Anfang einer späten literarischen Karriere gewesen war. Und es wurde immer deutlicher, dass sich da eine Begabung abseits des linearen Erzählens in kraftvollen Bildern und kühnen Assoziationen Ausdruck verschaffte, ohne je kalt oder künstlich zu wirken. Auf den späten Erstling «Trockenwiese» folgten die Erzählbände «Das einzige Objekt in Farbe», «Das Haus am See», «Nachtbuch», «Letzte Warnung» und «Liebe Stimme» sowie die Romane «Lebenleben», «Die Novizin» und «Schlafwandel». Und nach einer längeren Pause wird im Frühling 2014 wieder ein neues Buch von Helen Meier erscheinen, das sich auf berührende Weise dem Thema Altern widmet, aber um nichts weniger frisch und modern als die früheren daherkommt.
Text: Charles Linsmayer
Foto: Manfred Utzinger, utzi-foto.ch
Helen Meier war eine Stimme von stiller Kraft – eine Autorin, die mit feinem Gespür für Sprache und Nuancen über das Alter, das Frausein, das Erinnern und das Schweigen schrieb. Ihre Texte sind geprägt von Klarheit, Tiefe und einem leisen Witz.
Im Jahr 2021 ist Helen Meier im Alter von 98 Jahren verstorben. Sie hinterlässt ein bemerkenswertes literarisches Werk, das in zahlreichen Erzählbänden und Romanen seinen Ausdruck fand. Die Literaturwelt verliert mit ihr eine eigenständige, mutige Autorin – ihre Bücher aber werden weiter sprechen.
Hier ihr Wikipedia Eintrag.
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